Verzögern Gebärden die Sprachentwicklung meines Kindes?
Welche langfristigen Vorteile bieten Gebärden mit hörenden Babys?
Welches Alter ist günstig, um mit babySignal zu beginnen?
Ist es irgendwann zu spät, mit meinem Kind zu gebärden?
Wann beginnt das Kind, selbst zu gebärden?
Wurde babySignal für schwerhörige oder gehörlose Kinder entwickelt?
Wir verwenden bereits zwei Sprachen in der Erziehung unseres Kindes. Wird es nicht zuviel, wenn wir auch noch dazu Gebärden?
Wenn ich zu Musik gebärden möchte, muss ich dann jedes Wort gebärden? Wenn ich spreche, muss ich jedes Wort dazu gebärden?
Ist Gebärdensprache eine internationale Sprache?
Muss ich die Gebärdensprache vollständig lernen?
Verzögern Gebärden die Sprachentwicklung meines Kindes?
Nein, Ihr Kind nutzt Gebärden nur wie eine Brücke, bis es beim Sprechen angekommen ist. Solange es sinnvoll ist, wird Ihr Kind sich in Zeichen und Gebärden mitteilen. Wenn es mit dem Sprechen leichter und schneller geht, wird es die Gebärden nicht mehr brauchen und wieder weglassen. Ihr Kind möchte dann komplexe Gedanken und Ideen vermitteln und dies gelingt später besser übers Sprechen.

Welche langfristigen Vorteile bieten Gebärden mit hörenden Babys?
In amerikanischen Langzeitstudien wurden hörende Kinder, die bereits als Babys mit Gebärdensprache in Berührung kamen, bis zu ihrem achten Lebensjahr untersucht.
Alle Kinder lernten Gebärden früher und leichter als Lautsprache, weil die motorische Kontrolle der Hände eher möglich war, als die Kontrolle der viel differenzierteren Sprechbewegungen. Kognitive Fähigkeiten seien besonders gut entwickelt, da die visuelle Wahrnehmung der Kinder andere Teile im Gehirn aktiviert habe, als die reine Verwendung von gesprochenen Sprachen. Wenn das Gehirn stimuliert wird, bildet es sogenannte Kontaktstellen (Synapsen). Je mehr dieser Synapsen entstehen, desto vielfältigere netzartige Verbindungen entstehen im Gehirn.
Es wurden überdurchschnittlich gute sprachliche Entwicklungen und positive Auswirkungen auf die Intelligenzentwicklung des Kindes festgestellt. Durch Forschungen wurde außerdem eine stärkere Bindung zwischen Eltern und Kind und ein erhöhtes Interesse der Kinder an Büchern beobachtet.

Welches Alter ist günstig, um mit babySignal zu beginnen?
Im Prinzip kann in jedem Alter begonnen werden.
Einige Eltern gebärden von Anfang an mit ihrem Kind, andere entdecken die Faszination der Gebärdensprache erst, wenn das Kind bereits 14 Monate oder noch älter ist.
Günstig scheint es zu sein, im Alter von 7-12 Monaten zu beginnen. In dieser Zeit werden einfache Gesten für Kinder interessant: winke-winke und das Sprachverständnis entsteht: Gegenstände und Personen haben Namen und können benannt werden (Ball, Auto, Mama, Papa).
Ebenfalls sinnvoll erscheint babySignal für Kleinkinder zwischen 17 und 22 Monaten. In dieser Zeit ist das passive Sprachverständis bereits sehr groß, aber der aktive Wortschatz noch gering, da die Artikulationsorgane noch nicht vollständig ausgebildet sind.
Geben Sie auch sich selber ein bisschen Zeit, sich an eine visuelle Sprache zu gewöhnen und Ihre Finger in Bewegung zu bringen.

Ist es irgendwann zu spät, mit meinem Kind zu gebärden?
Zu spät ist es nie.
Alle Kinder, die ich kenne, mögen Gebärdensprache. Manche lieben schnelle Handbewegungen, andere finden es aufregend ihre Finger zu einem Schmetterling zu formen. Besonders gerne bewegen manche Kinder ihre Hände im Rhythmus zur Musik.
Wenn Sie mit Ihrem Kind gebärden möchten, bevor es zu sprechen beginnt, ist der Zeitraum günstig, in dem Ihr Kind noch gar nicht oder wenige Worte sprechen kann. Ihr Kind kann sich dann über Gebärden mitteilen, wenn ihm die Worte noch fehlen.
Kinder, die bereits sprechen können und in den Kindergarten oder in die Schule gehen, lieben Gebärdensprache als Geheimsprache. Das Fingeralphabet kann Kindern im Weiteren helfen, wenn sie beginnen Buchstaben, zu lesen und zu schreiben.

Wann beginnt das Kind, selbst zu gebärden?
Wann ein Kind zu gebärden beginnt, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Zunächst einmal kommt es darauf an, wie alt das Kind ist, wenn es Gebärden kennen lernt. Ebenso spielt es eine entscheidende Rolle, wie die Familie die Gebärden zu Hause umsetzt und welche Motivation das Kind mitbringt, kommunizieren zu wollen. Ein Kind beginnt zu gebärden, wenn es in seinen Augen sinnvoll ist („trinken“ – die Flasche steht auf dem Tisch und ist nicht erreichbar) oder wenn ihm etwas Spaß macht und es nicht aufhören soll („noch einmal“ – nach dem Durchkitzeln) oder wenn es etwas erzählen möchten, was es wahrgenommen hat („Motorrad“).
Um Ihnen einige Richtwerte zu nennen:
Es gibt Babys, die schon mit 6 Monaten die ersten Baby-Gebärden zeigen. Andere, die im Alter von 8-12 Monaten mit Gebärden in Berührung kommen, zeigen ihr erstes Zeichen ungefähr zwei bis zwölf Wochen später.
Wiederum andere Familien, die mit ihren Kleinkindern (zwischen 14 bis 24 Monaten) gebärden, sehen manchmal innerhalb weniger Tage bis zu ca. sechs Wochen die ersten Gebärden des Kindes.
babySignal übt keinen Leistungsdruck auf die Kinder aus. Ebenfalls hat babySignal nicht das Ziel eine natürliche Entwicklung zu beschleunigen. Jedes Kind entwickelt sich in seinem eigenen Tempo. Die Zahlen dienen lediglich zur groben Orientierung. Es geht lediglich bei babySignal darum, die Möglichkeiten sich mitzuteilen, von Eltern und Kind zu erweitern.

Wurde babySignal für schwerhörige oder gehörlose Kinder entwickelt?
Nein. babySignal ist für hörende Babys von hörenden Eltern entwickelt worden. Da wir Gebärden aus der Deutschen Gebärdensprache (DGS) verwenden, kann babySignal natürlich ebenfalls für hörgeschädigte Kinder nützlich sein.
In Osterreich verwenden wir Gebärden aus der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS).

Wir verwenden bereits zwei Sprachen in der Erziehung unseres Kindes. Wird es nicht zuviel, wenn wir auch noch dazu Gebärden?
Nein, Gebärden sind sogar förderlich. Gebärdensprache ist eine visuelle Sprache und wird mit den Händen ausgeführt. Kinder können daher für dasselbe Wort in zwei Sprachen, EINE Gebärde verwenden. Beispiel: [Hund:dog] =Klopfen mit der Hand an den Oberschenkel.
Die Gebärde kann eine Art Brücke zwischen den Sprachen sein. Beide Elternteile können dasselbe Zeichen mit ihrer jeweiligen Sprache verbinden. Sie verstehen dann das Kind über die Gebärden, auch wenn es die Worte noch nicht z.B. in Englisch und Deutsch oder nur im Wortsalat aussprechen kann.

Wenn ich zu Musik gebärden möchte, muss ich dann jedes Wort gebärden? Wenn ich spreche, muss ich jedes Wort dazu gebärden?
Wir gebärden nur einige ausgewählte Schlüsselworte. Gebärden können auch in Zeitlupentempo gebärdet oder am Körper des Kindes ausgeführt werden. Dadurch hat das Kind die Chance über viele verschiedene Sinneseindrücke die Gebärden wahrzunehmen.

Ist Gebärdensprache eine internationale Sprache?
Jedes Land hat seine eigene nationale Gebärdensprache. Einige Gebärden wie z.B. essen oder trinken, Haus oder Ball sind sich ähnlich.
Wir verwenden die Gebärden aus der Deutschen Gebärdensprache (DGS). Bitte beachten Sie, dass es auch innerhalb Deutschland regionale Unterschiede in den Gebärden geben kann (ähnlich den verschiedenen Dialekten in Friesland oder Bayern). Dies bezieht sich ebenso auf die Österreichische Gebärdensprache, die wir in Österreich verwenden.

Muss ich die Gebärdensprache vollständig lernen?
Sie lernen nur die Gebärden, die im Alltag mit Ihrem Kind von Bedeutung sind. Die eigenständige Grammatik der jeweiligen nationalen Gebärdensprache findet bei babySignal keine Beachtung. Wir bleiben in der Grammatik der gesprochenen Sprache.